Physioswiss lanciert in allen Kantonen eine Petition für faire Tarife
Mit einer nationalen Kampagne und 26 kantonalen Petitionen fordert Physioswiss eine adäquate und faire Vergütung in der Physiotherapie. Ziel ist es, auf die massive Unterfinanzierung der Physiotherapie aufmerksam zu machen und die langfristige Versorgung der Bevölkerung zu sichern.
Physioswiss lanciert in allen 26 Kantonen eine Petition für faire Tarife in der Physiotherapie. Die Petitionen richten sich an die Gesundheitsdirektionen. Sie entscheiden über die Preise physiotherapeutischer Leistungen.
Die Nachfrage nach physiotherapeutischen Leistungen ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Gleichzeitig setzt die Gesundheitspolitik seit Jahren auf den Grundsatz «ambulant vor stationär». Physiotherapeut:innen übernehmen dabei eine immer wichtigere Rolle: Sie begleiten Menschen, nach Verletzungen oder Erkrankungen zurück in ihren Alltag Physiotherapie fördert die Selbstständigkeit, unterstützt die Rehabilitation und vermeidet Folgebehandlungen.
Dennoch stehen Physiotherapiepraxen seit Jahren unter wirtschaftlichem Druck. Mit der Kampagne «100% geben. 70% bekommen. Finden Sie das gerecht?» und den Petitionen macht Physioswiss auf die Diskrepanz aufmerksam. Der Verband möchte Öffentlichkeit und Politik für die drohende Versorgungslücke sensibilisieren und deutlich machen, dass nach fast 30 Jahren Einsatz für eine faire Vergütung dringender Handlungsbedarf besteht.
Die Kampagne wurde am vergangenen Samstag, 13. Juni 2026, im Rahmen der Delegiertenversammlung von Physioswiss vorgestellt. Mit der heutigen Aktion auf dem Bundesplatz und der Lancierung der kantonalen Petitionen tritt sie nun an die Öffentlichkeit.
Auf dem Bundesplatz macht eine um dreissig Prozent verkürzte Physiotherapie-Liege die Botschaft der Kampagne sichtbar: Die Bedeutung der Physiotherapie wächst – die Vergütung hält nicht Schritt.
Mit der Aktion kehrt Physioswiss erneut auf den Bundesplatz zurück: Ende 2023 versammelten sich rund 10’000 Personen auf dem Bundesplatz, um auf die Folgen eines möglichen Tarifeingriffs durch den Bundesrat aufmerksam zu machen. Damals kamen 283’000 Unterschriften zusammen.
Relevante Grundlage geschaffen – jetzt folgen die nächsten Schritte
Mit der Einreichung der neuen Tarifstruktur beim Bundesamt für Gesundheit BAG im April 2026 wurde ein wichtiger Schritt gemacht. Die neue Struktur bildet die physiotherapeutischen Leistungen sachgerechter und zeitgemässer ab und schafft die Grundlage für die nächsten Schritte.
Die wirtschaftlichen Herausforderungen der Branche sind damit jedoch nicht gelöst. Da keine Einigung mit den Einkaufsgemeinschaften der Krankenversicherer erzielt werden konnte, hat Physioswiss Anträge an alle kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren gestellt. Diese entscheiden nun über die künftige Vergütung physiotherapeutischer Leistungen.
Damit entscheidet sich auch, ob und unter welchen Bedingungen die Physiotherapie ihren Beitrag zur ambulanten Versorgung künftig überhaupt noch leisten kann.
«Die Physiotherapie wird für die Gesundheitsversorgung immer wichtiger. Damit sie auch künftig für alle zugänglich bleibt, braucht es Vergütungen, die den Leistungen endlich gerecht werden.»
26 kantonale Petitionen als politisches Signal
Die Petitionen sollen zeigen: Faire Tarife sind nicht nur ein Anliegen der Branche. Sie sind eine Voraussetzung für eine gesicherte Versorgung der Bevölkerung.
Physioswiss ruft seine Mitglieder sowie die Bevölkerung dazu auf, die Petitionen zu unterstützen und sich für eine starke physiotherapeutische Versorgung einzusetzen.
Physiotherapie erhöht die Lebensqualität von Menschen und bezweckt die Behebung von körperlichen Funktionsstörungen und Schmerzen. Sie kommt zur Anwendung in der Therapie, der Rehabilitation, der Prävention, in der Gesundheitsförderung und der Palliativbehandlung.
Der Schweizer Physiotherapie Verband Physioswiss vertritt die Interessen von über 12‘000 Mitgliedern. Für die Menschen in der Schweiz gestaltet der Verband gemeinsam mit 16 Kantonal- und Regionalverbänden die Zukunft des Gesundheitswesens mit.