Datenbasis, Kostenmodell und Produktivität
Hier finden Sie die wichtigsten Informationen zur Datenbasis, zum Kostenmodell und zur Produktivität.
Im Rahmen der Tarifverhandlungen gemäss Krankenversicherungsgesetz (KVG) ist eine fundierte, datenbasierte Grundlage zentral. Die Verantwortung für die Bereitstellung dieser Daten liegt bei den Verbänden der Leistungserbringer. Dabei sind unterschiedliche Datentypen erforderlich:
- Leistungsdaten: Informationen zu den erbrachten Leistungen – welche Leistungen in welchem Umfang erbracht werden.
- Kostendaten: Betriebskosten, wobei nur nachweisbare Kosten in die Verhandlungen einfliessen dürfen.
Zusätzlich gilt: Eine Tarifstruktur muss auf Daten beruhen, die für die anwendenden Leistungserbringer repräsentativ sind.
Um für die Verhandlungen auf eine möglichst aktuelle und verlässliche Datenbasis zurückgreifen zu können, führte Physioswiss mehrere Studien durch:
Leistungen der Physiotherapie (LeDa)
Die Studie mass den Zeitaufwand für die eigentliche physiotherapeutische Behandlung und für definierte Tätigkeiten, die vor, nach oder zwischen den Behandlungen von Physio-therapeut:innen durchgeführt werden. Dabei zeigte sich, dass die reine Behandlungsdauer von Patient:innen für eine allgemeine Behandlung bei rund 30 Minuten, die Behandlungsdauer für eine aufwändige Behandlung bei rund 40 Minuten lag. Dazu kamen jeweils noch rund 4 Minuten für die Wechselzeit zwischen zwei Patient:innen.
Diese Daten sind unter anderem relevant, um die Produktivität zu berechnen (s. unten).
Kostendatenerhebung (KoDa)
Das Ziel von KoDa war es, die Kosten für die Infrastruktur- und Materialkosten zu erfassen. Neben der Erhebung der Nettomiet- und Nebenkosten umfasst dies die detaillierte Erfassung des gesamten Praxisinventars einschliesslich Einrichtungsgegenständen, Behandlungsgeräten und -materialien sowie Verbrauchsmaterialien. Des Weiteren ging es darum, aktuelle Daten zum den benötigten Räumen (Anzahl Räume und Raumgrösse), Personalbestand (Beschäftigungsvolumen), Angebot an Medizinischer Trainingstherapie (MTT), zur Organisationsform und zur Spezialisierung von Physiotherapiepraxen zu erheben.
Erhebung Praxislandschaft
Mit der durch INFRAS durchgeführten Studie zur Praxislandschaft sollte die Altersverteilung der aktiven Physiotherapeut:innen, sowie die Funktion, der Ausbildungsgrad und der Aufwand für Weiterbildungen erfasst werden. Ebenfalls wurden die Mietkosten nochmals detaillierter und auf kantonaler Ebene erhoben. Zudem ergänzte die Studie gewisse Werte in den Betriebskostendaten, die in der KoDa nicht erhoben wurden, unter anderem die Personal- und Versicherungskosten.
Domiziltherapie
Die ebenfalls von INFRAS durchgeführte Studie zur Domiziltherapie erfasste, welches Material bei Hausbesuchen mitgeführt wird, sowie welche Leistungen in der Domiziltherapie erbracht wurden. Auch hier wurde die Dauer der Leistungen erfasst, insbesondere im Bereich der Wegzeit, um auch diese Leistungen korrekt abbilden zu können.
Weitere Datengrundlagen
Die meisten Daten wurden von Physioswiss zur Verfügung gestellt, es flossen aber noch weitere Daten in die Verhandlungen ein. Zum einen stellte H+ die Daten aus der strukturierten Lohndatenerhebung bereit, zum anderen Betriebsdaten aus REKOLE. Auch Standarddaten wurden verwendet, die das Bundesamt für Statistik (BfS) öffentlich zur Verfügung stellt, so zum Beispiel Abwesenheits-, oder Ferien- und Feiertagstatistik. Wo erforderlich, wurden die Daten durch Expertenbefragungen ergänzt, etwa in den Bereichen Pädiatrie, Hippotherapie, Beckenbodentherapie und Robotik.
Hier finden Sie eine Zusammenfassung der Studien: Studien | Physioswiss
Wofür die Daten im Kostenmodell genutzt werden
Die erhobenen Daten werden für das Kostenmodell verwendet. Im Kostenmodell werden die verschiedenen Leistungen, die in der Physiotherapie anfallen (gemäss LeDa), abgebildet. Für jede Leistung wird dabei erfasst, welche Kosten für die Leistungserbringung für ein Jahr anfallen. Dabei werden die Kosten hauptsächlich in drei Kategorien aufgeteilt:
- Raum- und Mietkosten (KoDa, Praxislandschaft),
- Materialkosten (KoDa) und
- Personalkosten (Praxislandschaft, H+ Lohndatenerhebung, Lohndaten des BfS).
Je nach Material- und Platzbedarf variieren die Raum- und Materialkosten je nach erbrachter Leistung. Der Lohn, der in den Personalkosten enthalten ist, bleibt jedoch unabhängig von der jeweiligen Leistung konstant. Unterschiede in den Kosten ergeben sich daher insbesondere durch unterschiedlichen Platzbedarf und die daraus resultierenden Mietkosten, sowie durch variierende Materialkosten.
Rechenbeispiel
Die Zahlen sind fiktiv und entsprechen nicht den Zahlen aus dem verwendeten Kostenmodell:
Ein Arbeitstag dauert 8.5h. In dieser Zeit können 7 Stunden Arbeiten erledigt werden, die direkt abgerechnet werden können. Für insgesamt 1.5 Stunden fallen Arbeiten an, die nicht direkt abgerechnet werden können. Dies bedeutet, dass die Produktivität bei 82 % liegt.
Wenn pro Tag Kosten von CHF 500 für die Leistungserbringung anfallen, müssen die Kosten nun auf die 7 Stunden produktiver Zeit verteilt werden.
Produktive Tagesarbeitszeit = 420 Minuten
Tageskosten = 500 CHF
Benötigter Kostenminutensatz: CHF 500 / 420 Min. = 1.19 CHF / Min.
Produktivität
Während Produktivität im allgemeinen Sprachgebrauch das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag beschreibt, bezeichnet sie im Kontext des Physiotherapietarifs in erster Linie den Anteil der Gesamtarbeitszeit einer Physiotherapeutin / eines Physiotherapeuten, der tatsächlich über Tarifposition verrechnet werden kann. Das grundlegende Prinzip ist in allen Tarifen im Gesundheitswesen gleich: Die Produktivität entspricht dem Anteil der abrechenbaren Arbeitszeit an der Gesamtarbeitszeit, die für die Erbringung der Leistung erforderlich ist.
Bei der Produktivität handelt es sich also um den Anteil an physiotherapeutische Leistungen, der direkt über den Tarif abgerechnet werden kann (sprich: für welche eine eigene Tarifposition vorliegt). Der «nicht produktive » Anteil an Leistungen kann hingegen nicht direkt verrechnet werden, ist jedoch für die Leistungserbringung ebenfalls notwendig. Zum Beispiel Praxisreinigung, administrative Arbeiten, etc.. Damit dieser Aufwand angemessen berücksichtig wird, werden die Kosten für die nicht produktiven Arbeiten in den Leistungspositionen miteinbezogen
Der Anteil von produktiver zu nicht produktiver Arbeit wird zudem in der Berechnung der Jahresarbeitszeit berücksichtigt. Von der möglichen Jahresarbeitszeit wird der Anteil der nicht produktiven Zeit abgezogen. Dadurch werden die Kosten ausschliesslich auf jene Zeit verteilt, für die auch eine Tarifposition verrechnet werden kann.