Welttag der Physiotherapie: Schweizweit Zeichen für faire Tarife
Praxen, öffentliche Plätze und Social Media: Am Welttag der Physiotherapie ist die Branche heute in der ganzen Schweiz präsent. Der 8. September rückt weltweit die Bedeutung der Physiotherapie für Gesundheit, Patient:innen und Gesellschaft ins Zentrum. In der Schweiz nutzt die Branche den Tag dieses Jahr auch für die seit Juni laufende Kampagne «100 % geben. 70 % bekommen.» und ihre Forderung nach fairen Tarifen. Inzwischen unterstützen über 78'000 Menschen die 26 kantonalen Petitionen.
Bild: PHYSIO ON THE RUN GmbH
«100 % geben. 70 % bekommen.» – die Botschaft der seit Juni laufenden Kampagne ist heute an Praxistüren und auf Arbeitskleidung sowie in den Social-Media-Feeds zu sehen. Gleichzeitig bringt der Welttag Physiotherapie und Bevölkerung auch ganz konkret zusammen.
Im Gespräch mit der Bevölkerung
Bei Aktionen in mehreren Kantonen stehen Gesundheit und Prävention im Zentrum. Gleich mehrere greifen das diesjährige Thema des Welttags auf – Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall – und zeigen, wie Physiotherapie wirkt und welchen wertvollen Beitrag sie leisten kann.
In Freiburg sensibilisieren Physiotherapeut:innen von 17 bis 19 Uhr auf dem zentral gelegenen Georges-Python-Platz für das Thema. Besucher:innen können ihren Blutdruck messen und ihre funktionelle Leistungsfähigkeit testen lassen. Zugleich werden Unterschriften für faire Tarife gesammelt.
Im Kanton Waadt steht die Petition gleich an vier Standorten im Zentrum: In Lausanne, Morges, Yverdon und Vevey werben Physiotherapeut:innen bis in den Abend hinein um weitere Unterschriften.
Im Tessin kommen am Abend Fachpersonen, Patient:innen und Ärzt:innen zusammen. Sie diskutieren über Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall sowie über die Rolle der Physiotherapie in Prävention, Behandlung und Rehabilitation.
Vom Sticker in den Feed
Punkt 12.30 Uhr setzte die Branche auch digital ein gemeinsames Zeichen: Physiotherapeut:innen und Praxen aus der ganzen Schweiz veröffentlichten Bilder mit Stickern und persönlichen Botschaften unter #TagderPhysiotherapie. So wanderte «100 % geben. 70 % bekommen.» von Praxistüren und Arbeitskleidung in die Social-Media-Feeds.
«Unser Team gibt jeden Tag 100 % für unsere Patientinnen und Patienten. Wir möchten, dass dies auch in Zukunft unter fairen Bedingungen möglich ist», schreibt etwa eine Praxis aus Wetzikon ZH – stellvertretend für viele, die sich an der Aktion beteiligen.
Mit dem Welttag endet die Mobilisierung nicht. Bis zum Abschluss der Petition Ende September bleibt die Kampagne auch im öffentlichen Raum präsent: In der Deutschschweiz und in der Romandie wird «100 % geben. 70 % bekommen.» auch im öffentlichen Verkehr zu sehen sein.
78’000 Unterschriften – und es werden mehr
Seit dem Kampagnenstart im Juni haben bereits über 78’000 Menschen die 26 kantonalen Petitionen für faire Taxpunktwerte unterschrieben. Die beiden Basel, Appenzell Ausserrhoden, Jura, Freiburg, Nidwalden, Obwalden, Schaffhausen sowie Neuenburg haben ihre kantonalen Petitionsziele bereits erreicht. Schluss ist dort trotzdem nicht: Jede zusätzliche Unterschrift verstärkt das Signal an die kantonalen Behörden.
«Die Unterstützung aus der ganzen Schweiz gibt unserer Forderung Rückenwind», sagt Mirjam Stauffer, Präsidentin von Physioswiss. «Die Kosten steigen, die Vergütung hält nicht Schritt – das ist nicht akzeptabel.»
30 Prozent fehlen
Hinter «100 % geben. 70 % bekommen.» steht eine wirtschaftliche Realität: Die für die kantonalen Tarifverfahren erhobenen Daten von Physioswiss zeigen, dass die effektiven Kosten einer Behandlungsstunde durchschnittlich rund 30 Prozent über der heutigen Vergütung liegen. Grundlage dafür sind Angaben zu Leistungen und Kosten von Physiotherapiepraxen sowie zu Löhnen, Mieten und weiteren Betriebskosten. Gleichzeitig kennt die Tarifstruktur in der Grundversicherung keinen automatischen Teuerungsausgleich. Seit ihrer letzten Reform vor rund 30 Jahren sind die Kosten deutlich gestiegen.
Petition vor dem Endspurt
Die neue Tarifstruktur für die Grundversicherung liegt beim Bundesrat zur Genehmigung. Sie regelt, wie physiotherapeutische Leistungen künftig abgerechnet werden. Eine Einführung ist frühestens per 1. Januar 2027 möglich. Wie hoch die Leistungen vergütet werden, entscheidet sich jedoch über die Taxpunktwerte in den laufenden kantonalen Festsetzungsverfahren.
Bis Ende September wird deshalb weitergesammelt. Anschliessend werden die Unterschriften in den Kantonen übergeben – dort, wo über die Taxpunktwerte entschieden wird. Damit geht die seit Juni laufende Kampagne in ihre entscheidende Phase. Physioswiss wird rechtzeitig über die Übergaben informieren.