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Fachkräftemangel in der Physiotherapie: Stellenbesetzungen als Geduldsprobe

Eine Studie des Schweizerischen Verbands Freie Berufe (SVFB) bestätigt den Fachkräftemangel als grosse Herausforderung für Selbständigerwerbende – insbesondere in der Physiotherapie. Zusätzlich mindern geringe Verdienstmöglichkeiten und Bürokratie die Attraktivität der selbständigen Berufstätigkeit.

Arbeit Oder Jobs
© DOC RABE media – AdobeStock

In der Studie des Schweizerischen Verbands Freie Berufe (SVFB) wurden 3’655 Selbständige aus verschiedenen Berufen zum Thema Fachkräftemangel befragt – darunter Physiotherapeut:innen, Zahnärzt:innen, Psycholog:innen, Chiropraktor:innen, Architekt:innen, und Jurist:innen. Das Ergebnis ist eindeutig: Alle Befragten bezeichnen den Fachkräftemangel als grösstes Problem ihrer Tätigkeit. 71% aller Befragten – und 76% der Physio-therapeut:innen – stufen den Fachkräftemangel als «gross» oder «eher gross» ein. Es ist bekannt, dass der Fachkräftemangel nicht in allen Landesgegenden gleich gross ist, die Studie unterscheidet jedoch nicht zwischen unterschiedlichen Regionen.

Bei der Frage nach dem grössten Problem ihrer Tätigkeit waren zu tiefe Tarife übrigens keine Antwortoption, da in den meisten untersuchten Berufen keine regulierten Tarife existieren.

Fachkräftemangel mit Auswirkungen auf Patient:innen

Bei mehr als der Hälfte der befragten Selbständigen mit Physiotherapie-Praxen dauert es gemäss Studie über sechs Monate, bis eine offene Stelle besetzt werden kann – vergleichbar mit Technikberufen und deutlich länger als in Rechtsberufen. Während der Fachkräftemangel branchenübergreifend vor allem zu hoher Arbeitsbelastung führt, berichten Physiotherapeut:innen auch von langen Wartezeiten für Patient:innen und von der Ablehnung neuer Patient:innen.

Zu tiefe Löhne als Hauptursache des Fachkräftemangels in der Physiotherapie

Als Hauptursache des Fachkräftemangels nennen alle Berufe zu tiefe Löhne bzw. zu tiefe Tarife. In der Physiotherapie ist dieser Wert mit 24% fast doppelt so hoch wie in der Gesamtheit der Befragten (13%). Hinzu kommen in der Physiotherapie die verbreitete Teilzeitarbeit und ein Mangel an Ausbildungsplätzen.

Besonders besorgniserregend: Nur 31% der selbständigen Physiotherapeut:innen halten die Selbständigkeit für junge Fachkräfte für attraktiv – gegenüber über 40% in Technik- und Rechtsberufen. Als grösste Hindernisse nennen sie die zu tiefen Verdienstmöglichkeiten (33%) und den hohen administrativen Aufwand (24%). Zum Vergleich: In den anderen untersuchten Berufen stehen hohe Arbeitsbelastung und schlechte Work-Life-Balance im Vordergrund.

Auch die generelle Berufsattraktivität gibt zu denken: Während rund 60% der Technik- und Rechtsberufe ihren Beruf als (eher) attraktiv einschätzen, sind es bei den Gesundheitsberufen nur 42% – in der Physiotherapie sogar nur 31%.

Die Ergebnisse der SVFB-Studie zeigen klar: Bessere Verdienstmöglichkeiten und weniger Bürokratie sind unerlässlich, um die Versorgungssicherheit und -qualität in der Physiotherapie langfristig zu gewährleisten. Darum engagiert sich Physioswiss gemeinsam mit seinen Kantonal- und Regionalverbänden – nebst den Tarifverhandlungen – auch gegen die zum Teil zunehmend überbordenden Anforderungen der Kantone. So konnten wir erreichen, dass mittlerweile in einigen Kantonen die Berufsausübungsbewilligung für einen Grossteil der Physiotherapeut:innen wieder abgeschafft wurde.

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