Rückblick Online-Fobiabend Projekt PrePaC
Am 23. April 2026 fand der Fobiabend zum Thema „Mehr als Medizin: Schmerz als soziale und berufliche Herausforderung“ mit Balz Winteler und Gisela Steinmann statt, die das Projekt PrePaC im Rahmen des Abends erläuterten. Trotz eines verschobenen ersten Termins war das Interesse gross: Insgesamt nahmen rund 35 Personen teil.
Zu Beginn wurden zentrale Begriffe geklärt, insbesondere die Unterscheidung zwischen dem klassischen Behandlungspfad und dem weiter gefassten Gesundheitspfad. Während der Behandlungspfad stark auf medizinische Interventionen fokussiert, verfolgt der Gesundheitspfad einen ganzheitlicheren Ansatz, der sektorenübergreifend gedacht ist und Aspekte wie Prävention, Selbstmanagement und Selbstbestimmung stärker einbezieht. In diesem Zusammenhang wurde auch das biopsychosoziale Modell nochmals aufgegriffen, das in der Physiotherapie zwar etabliert ist, jedoch in seiner konsequenten Umsetzung weiterhin an Bedeutung gewinnt.

Das Projekt PrePaC wurde als iteratives, mittlerweile im vierten Jahr laufendes Projekt vorgestellt, das auf die zunehmende Relevanz von muskuloskelettalen und psychischen Erkrankungen reagiert. Auch die neue ICD-11-Klassifikation wurde in diesem Kontext erwähnt. Besonders hervorgehoben wurde, dass nicht nur Patientinnen und Patienten betroffen sind, sondern auch die Versorgenden selbst, was die Notwendigkeit neuer Versorgungsansätze unterstreicht. Das Projekt arbeitet mit zahlreichen Feedbackschlaufen und entwickelt sich kontinuierlich weiter.
Ein zentraler Bestandteil des Abends war die Rolle der Physiotherapie im Rahmen dieses erweiterten Schmerzverständnisses. Dabei wurden die verschiedenen Ebenen der Prävention – primär, sekundär und tertiär – erläutert und insbesondere die Verhaltensprävention betont. Physiotherapie wird somit nicht nur als behandlungsorientierte Disziplin verstanden, sondern als wichtiger Bestandteil eines umfassenden Gesundheitsprozesses.
Im weiteren Verlauf wurde der sogenannte Gesundheitspfad anhand einer „Pain Journey Map“ veranschaulicht, die gemeinsam mit Betroffenen entwickelt wurde. Diese macht deutlich, wie individuell Schmerz erlebt wird und wie wichtig eine frühzeitige, umfassende Abklärung ist. Neben der biologischen Dimension sollten dabei unbedingt auch psychologische und insbesondere soziale Faktoren bereits beim Erstkontakt berücksichtigt werden. Ziel ist es, frühzeitig eine multimodale Schmerztherapie einzuleiten und die Weichen für eine nachhaltige Betreuung zu stellen.
Die Bedeutung der Edukation wurde ebenfalls hervorgehoben. Evidenz zeigt, dass das Verständnis für die eigene Situation und die Stärkung der Gesundheitskompetenz entscheidend zum Umgang mit Schmerz beitragen können. Da Schmerz sehr individuell erlebt wird, müssen auch die Unterstützungsangebote entsprechend angepasst werden. Hier kommt der interprofessionellen Zusammenarbeit eine zentrale Rolle zu.
Ein besonderer Fokus lag auf der klinischen Sozialarbeit, die als wichtiger Bestandteil im Gesundheitspfad vorgestellt wurde. Sie setzt bei den konkreten Anliegen und Sorgen der Betroffenen an und unterstützt unter anderem bei Themen wie Arbeitsunfähigkeit, Wiedereinstieg in den Beruf, Versicherungsfragen oder finanzieller Absicherung. Gerade bei längerer Krankschreibung zeigt sich, wie komplex diese Fragestellungen sind und wie wichtig professionelle Unterstützung ist. Die sozialmedizinische Sprechstunde, die etwa in der Mitte des Gesundheitspfades angesiedelt ist, bietet hier eine wichtige Anlaufstelle, insbesondere wenn sich muskuloskelettale Beschwerden nicht wie erwartet verbessern. Die dort erarbeiteten Empfehlungen fliessen direkt in die ärztliche Berichterstattung ein und tragen dazu bei, das biopsychosoziale Modell auch strukturell zu verankern.
Die klinische Sozialarbeit übernimmt dabei eine koordinierende Rolle im interprofessionellen Setting und fungiert als Brückenbauer zwischen den verschiedenen Disziplinen. Sie verfügt über spezialisiertes Wissen zu Sozialversicherungen, rechtlichen Rahmenbedingungen und Unterstützungsangeboten und hilft unter anderem bei der Klärung von Ansprüchen, beispielsweise im Bereich Ergänzungsleistungen oder Existenzsicherung. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Finanzierung dieser Leistungen aktuell noch nicht ausreichend geklärt ist und im Rahmen des Projekts erfolgt.
Abschliessend wurde die Bedeutung von Vernetzung betont. Derzeit fehlt in vielen Regionen eine strukturierte Übersicht über relevante Akteurinnen und Akteure. Das Projekt PrePaC arbeitet daher am Aufbau einer entsprechenden Plattform, die unter www.prepac.ch künftig öffentlich zugänglich sein wird und den interprofessionellen Austausch fördern soll.
Der Abend machte deutlich, dass Schmerz weit über eine rein medizinische Betrachtung hinausgeht. Eine frühzeitige Einbindung psychosozialer Aspekte, eine enge interprofessionelle Zusammenarbeit sowie eine stärkere Vernetzung der beteiligten Akteure sind entscheidend, um Betroffene nachhaltig zu unterstützen.